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ÖDP Ottobrunn veröffentlicht alternativen Bebauungsplan für das Vogelviertel

Nachverdichtung bedeutet kein bloßes Hinzufügen von Gebäuden. Um zu verhindern, dass Städte dadurch an Lebensqualität verlieren, sind gut abgestimmte Konzepte notwendig, die das urbane Zusammenleben ganzheitlich auf sozialer, ökologischer, städtebaulicher und architektonischer Ebene begreifen.

Die Gemeinde Ottobrunn ist am Limit – zumindest was die Siedlungs- und Verkehrsflächen angeht, die bereits 85 % der Gemeindefläche ausmachen. Deshalb stellt der Ortsverband Ottobrunn-Neubiberg der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) jede weitere Nachverdichtung in Frage und unterstützt nur neues Baurecht in den Gemeinden, wenn dieses für die Errichtung von bezahlbarem Wohnraum genutzt wird und die Gemeinde hierfür ein zeitlich unbefristetes Belegungsrecht erhält. Nachverdichtung bedeutet kein bloßes Hinzufügen von Gebäuden. Um zu verhindern, dass Städte dadurch an Lebensqualität verlieren, sind gut abgestimmte Konzepte notwendig, die das urbane Zusammenleben ganzheitlich auf sozialer, ökologischer, städtebaulicher und architektonischer Ebene begreifen.

Der vom Planungsbüro Studiosoko entworfene Bebauungsplan für das Vogelviertel lässt ein ebensolches Konzept vermissen. Die vier Neubauten sorgen für eine punktuell extrem hohe Verdichtung und ignorieren städtebauliche Gegebenheiten. Dabei wird wenig Wert auf die Schaffung von Quartierstreffpunkten gelegt und somit die Kommunikation und das soziale Miteinander geschwächt. Die für die Umsetzung des Plans notwendige Baumrodung vernachlässigt zusätzlich die ökologische Komponente.

Um in der momentanen Diskussion um das Vogelviertel einen konstruktiven Beitrag zu leisten, entwarf der ÖDP-Ortsverband in Zusammenarbeit mit der angehenden Architektin und Stadtplanerin Leandra Scheible ein sozial und ökologisch verträglicheres Konzept für diese Nachverdichtung. Grundlage dafür war eine Ortsbesichtigung Ende August mit den Mitgliedern der Bürgerinitiative gegen die Nachverdichtung des Vogelviertels. Dabei machten sich der ÖDP-Gemeinderat Jean Marcel Prasser sowie die Ottobrunner Vorstandsmitglieder Yannick Rouault und Werner Wolf ein Bild vom bereits jetzt herrschenden Siedlungsdruck.

Im Zentrum des Gegenentwurfs steht die Schaffung von Quartierstreffpunkten. Das Gebäude Zaunkönigstraße 15 ersetzt das leerstehende Bestandsgebäude und formt den Eingang des Quartiers von der Rosenheimer Landstraße aus. Es rückt, im Gegensatz zu dem bisher an der Stelle geplanten Gebäude, vom bestehenden Zeilenbau ab. Das Mehrgenerationenhaus beherbergt im Erdgeschoss eine soziale Einrichtung für Kinder und Jugendliche sowie Gemeinschaftsräume für Veranstaltungen, Kurse und ein Repair-Café. Im Obergeschoss befinden sich Sozialwohnungen und eine Betreuungsmöglichkeit für Senioren.

Die weiteren Treffpunkte entstehen in Form von gemeinschaftlich nutzbaren Plätzen in der Quartiersmitte. Auf ihnen sind Bänke, ein Boulefeld, Tischtennisplatten und ein Kinderspielplatz möglich. Zwischen den Gebäuden Zaunkönigstraße 3 – 7 und Zaunkönigstraße 9 – 13 ist ein Gemeinschaftsgarten angedacht.

Vom geplanten Bau des Objekts Zeisigstraße 14a rät der ÖDP-Ortsverband aufgrund unzureichenden Abstands zur Nachbarimmobilie Zeisigstraße 14 ab. Auch für die Bewohner der Zaunkönigstraße 23 – 27 würde die Wohnqualität dadurch erheblich beeinträchtigt.

Gegen den geplanten Bau der Tiefgarage spricht sich die ÖDP ebenfalls aus, da hierfür der Großteil der insgesamt 71 Baumrodungen vorgesehen ist und es Jahrzehnte dauert, bis die 63 als Ersatz zu pflanzenden Bäume wieder ausgewachsen sind. Die auf der Tiefgarage geplanten Bäume können überdies wegen der geringen Humusschicht nur 1/3 des Baumkronenvolumens der Bestandsbäume erreichen und deshalb keine gleichwertige mikroklimatische und ökologische Rolle für das Viertel übernehmen.

Der Baukörper Zeisigstraße 22 sowie das L-förmige Gebäude Zeisigstraße 15 und 17 können wie geplant umgesetzt werden. Für das Gebäude Zeisigstraße 22 schlägt die ÖDP in ihrem Plan jedoch zwei statt drei Geschosse vor, damit sich die Geschosszahl den angrenzenden, niedrigeren Doppelhaushälften anpasst und das Viertel an den Außengrenzen einen stadtplanerisch besseren Abschluss findet.

Über das aktuelle Anliegen des Vogelviertels hinaus plädiert die ÖDP dafür, dass jeglicher Neubau auf gemeindeeigenem Grund - wie die hier betroffene Fläche im Vogelviertel - für die soziale Infrastruktur der Gemeinde sowie zur dauerhaften Schaffung von bezahlbarem Wohnraum genutzt wird. Dessen Erstellung sowie Verwaltung könnte von einer im Eigenbetrieb der Gemeinde geführten Wohnbaugesellschaft erfolgen.

Ottobrunn muss auf langfristige Sicht sozial und ökologisch nachhaltig planen, denn die Gemeindegrenzen werden sich auch in 100 Jahren nicht ändern.

SZ-Artikel zum Thema

Yannick Rouault

Gegenentwurf der ÖDP zur Nachverdichtung im Vogelviertel. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Leandra Scheible.


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